Fasten ist in – und es geht wieder los: Am Aschermittwoch beginnt die 40tägige, christliche Fastenzeit, die Vorbereitungszeit auf Ostern. „Christinnen und Christen lassen in dieser Zeit nicht nur Kilos purzeln. Heute nützen viele die Fastenzeit als Chance, nach dem Wesentlichen in ihrem Leben zu suchen, indem sie auf bestimmte Speisen oder Angewohnheiten verzichten“, weiß Marlies Prettenthaler-Heckel, Referentin für Verkündigung und Glaube in der Diözese Graz-Seckau. Durch Fasten im körperlichen und im übertragenen Sinn werden Kräfte und Zeiten frei, die der Neuorientierung, der Sinnsuche, dem Gebet, der Meditation und Auszeiten in Stille dienen. „Die österliche Bußzeit lädt ein zu einer Umkehr des Denkens, was mit dem griechischen Wort μετάνοια (metánoia) gemeint ist“, so die Expertin.
Aschenkreuz
Mit dem Verbrennen alter Palmzweige, dem Weihen der Asche und dem Bezeichnen der Stirn mit dem Aschekreuz am Aschermittwoch beginnt auch die Zeit besonderer Rituale und Osterbräuche. Mit den Worten: „Kehrt um und glaubt an das Evangelium“ oder „Bedenke, o Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehrst“ gedenken Christinnen und Christen, dass sie sterbliche Geschöpfe sind, die mit Jesus Christus nach dem irdischen Tod bei Gott ewiges Leben erwartet. An unzähligen Orten wird am Aschermittwoch in der katholischen Kirche in einer Eucharistiefeier von Priestern oder in einer Wortgottesfeier von dazu gesendeten Frauen und Männern das Aschenkreuz gespendet. Aufgrund von Corona wird es jeweils aufs Haupt gestreut und nicht auf die Stirn gezeichnet. Wie schon seit Dezember sind alle Mitfeiernden bei Aschermittwoch-Gottesdiensten willkommen. Es gibt keine G-Vorgaben, einzig eine FFP2-Maske muss getragen und ein Meter Abstand zueinander eingehalten werden.
Nach alter jüdischer Tradition (Lev 12,1-8) mussten Eltern nach der Geburt eines Kindes (40 Tage bei einem Buben, 80 bei einem Mädchen) im Tempel von Jerusalem ein Reinigungsopfer darbringen, daher auch die alte Bezeichnung „Reinigung (lat. Purificatio) Mariens“. Nach jüdischem Glauben war ein erstgeborener Sohn Eigentum Gottes und musste durch dieses Opfer in Form eines Schafes oder einer Taube „dargebracht“, also vor Gott „dargestellt“ werden. Der Tag markierte lange das Ende der Weihnachtszeit. Noch heute bleiben in vielen Kirchen und Häusern Krippe und Weihnachtsbaum bis zu diesem Tag stehen. Nach der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils Mitte der 1960er Jahre endet in der ordentlichen Form des römischen Ritus die Weihnachtszeit jedoch bereits am Fest der Taufe des Herrn, dem Sonntag, der dem Hochfest der Erscheinung des Herrn (Epiphanias) am 6. Januar folgt.
Mariä Lichtmess
Zu Mariä Lichtmess wurde traditionell mit Kerzenweihen und Lichterprozessionen das Ende der Weihnachtszeit, 40 Tage nach Weihnachten gefeiert. An diesem Tag findet die Segnung des Jahresbedarfs an Kerzen für die Kirchen statt. Die brennenden Kerzen zu Lichtmess sind auch heute noch ein Symbol für Jesus als „Licht der Völker“ und „Licht der Welt“. Die geweihten Kerzen sollen Unheil abwenden und ein Jahr voller Helligkeit und Schutz verheißen.
Nach alter Tradition wird auch das Anbrechen der längeren Tage gefeiert: Um Lichtmess findet die Frühmesse meist wieder bei Tageslicht statt, ein altes Sprichwort sagt auch „Lichtmess, bei Tag ess“, d.h. es könne auch wieder bei Tageslicht zu Abend gegessen werden.
Bis 1912 war Mariä Lichtmess auch ein offizieller Feiertag. Besonders wichtig war der Tag für Dienstboten, da sie zu diesem Zeitpunkt häufig den Herrn wechselten. Am 2. Februar erhielten sie ihren Lohn und hatten bis 5. Februar (Hl. Agatha) frei. Es war auch üblich, ihnen ein Paar Schuhe als Lohn zu geben - für die weitere Arbeit oder die Arbeitssuche. Mit Lichtmess begann nach der Winterpause auch wieder die Arbeit der Bauern.
Blasiussegen
Die Nähe zum Festtag des Hl. Blasius (3. Februar) bedingt, dass am Lichtmesstag in Kirchen auch oft der „Blasiussegen“ mit zwei überkreuzten Kerzen erteilt wird. Der Heilige Blasius ist einer der 14 Nothelfer, der Segen soll vor Halskrankheiten schützen.
Die Sternsinger:innen sind wieder unterwegs und bringen die Weihnachtsbotschaft und den Segen für das anbrechende Jahr: Es möge unter einem guten Stern stehen. In Krisenzeiten ist dies besonders wertvoll und die Botschaft der rund 85.000 Sternsinger:innen wichtiger denn je, denn die Zeit ist reif für ein neues Miteinander auf unserem Planeten. Viele sind heuer wieder von Haustüre zu Haustüre unterwegs, einige Pfarren haben sich für das Sternsingen aufgrund von Corona Alternativen überlegt: Familien- oder kleinere Gruppen, Singen im Freien bei Kapellen oder an öffentlichen Plätzen, Sternsingerfiguren in der Kirche oder bei Supermärkten, eine Sternsingerpost und vieles mehr.
Aufgrund deutlich gestiegener Infektionszahlen verschärft die Katholische Kirche ihre Corona-Regelungen: Verpflichtend bleibt bei öffentlichen Gottesdiensten die FFP2-Maske, zusätzlich ist ein 2-Meter-Mindestabstand zu halten.